ACHD

Auferstehung Christi und Heilige Dreifaltigkeit

Neuer Pfarrer Johannes Minh Dinh, Pfarrvikar, stellt sich vor

Liebe Gemeindemitglieder,

es freut mich sehr, in Ihrem Pfarrgebiet mein pastorales Tun aufnehmen zu dürfen. Ich möchte mit Ihnen unseren Herrn loben und ihm danken, dass er uns immer und immer wieder Gutes getan hat. „Gott bedarf unseres Lobes nicht. Es ist ein Geschenk Gottes Gnade, dass wir ihm danken. Unser Lobpreis kann Gottes Größe nicht mehren. Doch uns bringt er Segen und Heil.“ (Präfation IV)

Damit Sie mich besser kennenlernen, möchte ich Ihnen meine Lebensgeschichte kurz vorstellen:

Mein Name ist Johannes Xuan Minh DINH. Xuan ist der Bei- bzw. Zuname und bedeutet der Frühling. Rufname ist Minh. Der Nachname heißt Dinh.

Am 10.06.1960 wurde ich in der Kreisgemeinde Ho-Nai, in Südvietnam geboren. Ich war fünf Jahr im Internat, das von den Schwestern des Lieben Kreuz Jesu und von Brüdern Vincent von Paul geleitet wurde. 1978 habe ich das Abitur in Vietnam gemacht.

1954 flüchteten meine Eltern mit fünf Töchtern aus dem Norden in die Süde des Landes, weil die vietnamesischen Kommunisten (Die Viet-Minh) unter dem Führer Ho-Chi-Minh seit dieser Zeit an die Herrschaft in Nordvietnam übernahmen.

1980 musste ich mit meiner jüngeren Schwester die Flucht aufgreifen, Vietnam auf dem offenen Meer mit einem winzigen und seeuntüchtigen Flussboot zu verlassen, das einer Nussschale ähnelt. Wir, insgesamt zweiunddreißig Passagieren, saßen in einem Boot und mussten gegen den stürmischen Wind, die aufgewühlten Wellen und den Monsun kämpfen. Ein Kampf voller Verzweiflung und wenig Hoffnung!

Meine Flucht dauerte zwei Tage auf dem Fluss und sieben Tage auf dem Meer. In dieser hoffnungslosen Situation und im Angesicht des Todes legte ich für mich ein Gelübde ab; im Fall einer Rettung möchte ich Priester werden. Ich kann an dieser Stelle nicht viel über meine Flucht schreiben und erzählen. Aber wenn man mich fragt: „gibt es Wunder“, dann werde ich antworten: Ja! Dass ich heil davongekommen bin, ist ein Wunder! Ich bin davon fest überzeugt.

Nach sieben Tagen Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit lagen Passagieren verhungert im Bootbauch wie ausgetrocknete Fische, umspült von Meereswasser. Doch in der größten Stunde dieser Hoffnungslosigkeit wurden wir von dem Deutschen Schiff Cap Anamur unter der Führung Herrn Dr. Neudeck gerettet. Wie alle geretteten Vietnamesen bin ich dieser segensreichen Rettungsaktion zu tiefstem Dank verpflichtet. Ohne diese Lebensrettung, ermöglicht durch die Spende der Deutschen, wären sicher tausenden Vietnamesen hierzulande nicht mehr am Leben. Als dankbare Menschen wollten die Vietnamesen pflichtbewusst ihren Beitrag zu dem Gastland/Rettungsland leisten, das inzwischen ihre zweite Heimat geworden ist. Und: War die Rettung der Vietnamesen, dieser ethnischen Flüchtlinge, nicht auch eine Vorahnung auf die weitere deutsche Geschichte? Deutschland rettet die geflüchteten Vietnamesen vor den Kommunisten! Ein gutes Omen für den Fall der Berliner Mauer?! Eine vietnamesische Redensart besagt: Dat lanh chim dau (In ein gutes Land fliegen die Vögel gern hinein!) Wenn es nicht so wäre, würde kein Vogel kommen und drin bleiben.

Eine dramatische Zahl: Bis 1986 hatten die Rettungsschiffe des „Komitees Cap Anamur Deutsche Notärzte“ etwas 11.500 vietnamesische Boat People, also Bootsflüchtlinge gerettet.

Ein Teil der geretteten Flüchtlinge wurden mit dem Flugzeug nach Deutschland gebracht.  Aufgrund der Kontingentierung der Flüchtlinge wurden meine Schwester und ich mit ungefähr vierhundert hunderten Vietnamesen im Aufnahmelager der Stadt Lebach im Saarland untergebracht. Vier bis sechs, manchmal sogar acht Personen lebten in einem Raum von etwa 16 bis 20 Quadratmetern, je nach Anzahl der Personen. Geheizt wurde mit Kohleöfen.

Dort habe ich den vom Arbeitsamt organisierten Deutschkurs besucht. Nach diesem Sprachkurs für die Anfänger war man zumindest in der Lage, auf dem deutschen Arbeitsmarkt einigermaßen mitzuhalten.

Da ich studieren möchte, besuchte ich den intensiven Sprachkurs in Heilbronn, der von Otto Becker Stiftung finanziert wurde. 1982 nahm ich das Studium an der Saarbrücker Uni mit dem Studienziel, Physiker und Mathematiker zu werden, auf.

Mein Gelübde, das ich auf der Flucht abgelegt hatte, nämlich Priester zu werden, wurde in mir immer stärker. Ich „muss“ dieses einlösen. Sonst finde ich keine Ruhe in mir! So trat ich 1983 ins Priesterseminar des Bistums Trier ein. Von 1984 bis1988 belege ich die theologische Priesterausbildung für Spätberufener auf der Burg in Lantershofen/Ahrweiler. (Als ich das Studium aufgenommen habe, war ich erst 25 Jahre alt, und gehörte somit zu den jüngsten im Studierendenkreis!)

Ich möchte hier kurz erklären, wie alle Vietnamesen hierzulande ihr Zeugnis anerkannt werden lassen: Wer das Abitur in Vietnam nach der Machtergreifung der Kommunisten 1975 erworben hat, muss die dreijährige Sonderschule besuchen, um das Abitur nachzuholen.

Da ich die Aufnahmeprüfung für die Uni in Vietnam bestanden hatte, dürfte/konnte ich in Deutschland meine bereits in Vietnam begonnen Studien wie Physik und Mathematik weiterführen. Um in Vietnam studieren zu dürfen, müssen alle Abiturienten die Aufnahmeprüfung der jeweiligen Universität bestehen.

Nach Ende des Theologiestudiums arbeitete ich zwei Jahre im Brüder Krankenhaus in Trier. Danach entschloss ich mich, an der Universität Trier das Studium der Germanistik und Philosophie aufzunehmen.  Damit ich mich regulär als ordentlicher Student die Fächer wie Germanistik, Philosophie oder Betriebswirtschaftslehre einschreiben konnte, musste ich das anerkannten Studienzugang wie ein Abitur erwerben. Und das habe ich am 27. Juni 1989 im staatlichen Studienkolleg an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz erfolgreich absolviert.

Da auch die Studiengänge wie Betriebswirtschaftslehre mit Diplomstudiengang (BWL), Medienkommunikation als Zusatzstudiengang und Deutsch als Fremdsprache (DaF) ebenfalls auch als Zusatzstudiengang, das Interesse in mir geweckt hatten, habe ich mich auch für diese Fläche immatrikuliert. Das Studium BWL konnte ich leider nicht zum Ende führen. Während der Studienzeit hatte ich Bafög als Darlehen aufgenommen, um meine Studien zu finanzieren.

Nach den erfolgreichen Abschlüssen der drei Studiengängen arbeitete ich von 1997 bis 1999 bei der evangelischen Diakonie in Trier. Der Schwerpunkt meiner Arbeit war, die Flüchtlinge auf der Anlaufstelle des Bundesamtes in Trier zu betreuen und ihnen den deutschen Unterricht zu erteilen.

Im Jahre 1999 wechselte ich vom Trierer Bistum zum Bistum Mainz. Am 06. Mai 2000 wurde ich in Hohen Mainzer Dom zum Diakon geweiht. Als Diakon übte ich ein Jahr lang in der Stadt Seligenstadt aus.

Am 23. Juni 2001 spendete unser verstorbener Kardinal Dr. Karl Lehmann in Hohen Mainzer Dom drei Kollegen und mir das Sakrament der Priesterweihe. Am 24. Juni, an meinem Namenstag, feierte ich meine Primiz in meiner Heimatgemeinde St. Augustinus auf dem Trierer Uni-Campus.

Als Kaplan war ich jeweils zwei Jahre in Münster bei Dieburg und in Darmstadt-Eberstadt eingesetzt. Danach nahm ich 2004 die Tätigkeit in der Mainzer Spitze Pfarrgruppe als Pfarrvikar mit Pfarrertitel in Bischofsheim und zuletzt in der Pfarrgruppe Darmstadt-Ost, Wohnsitz in Roßdorf auf.

2009-2019 war ich leitender Pfarrer in der Pfarrgruppe Harheim/Eschbach in Frankfurt. Und zuletzt war ich ein Jahr in Offenbach und Bieber tätig. Ab dem 1. August 2020 trete ich mein Amt in Ihrer Pfarrgruppe an. Ich freue mich sehr auf unserer Zusammenarbeit in Harmonie, in Frieden mit Vollverständigung, Einfühlungsvermögen und Spitzengefühl. Seien wir einfühlsame Menschen! Tuen wir es zur Ehre, zum Ruhm Gottes um den Frieden und Würden des Menschen willen!

Liebe Gemeinde,

als Priester war ich in verschiedenen Stadien in den Weinbergen des Herrn aktiv. Es hat mein Wissenshorizont erweitert und hat mein Leben damit sehr bereichert. Das Leben ist bunt und vielfältig. Jede Pfarrgemeinde, jeder Kirchenort hat seine Ausprägung, Besonderheit und Tradition. Die Zusammenarbeit kann meines Erachtens dann gelingen, wenn solche verschiedenen Besonderheiten geachtet und respektiert werden können und müssen. Einheit in Vielfalt! Da ich in vielen Pfarrgemeinden eingesetzt wurde, bezeichne ich mir inzwischen als ein Wanderprediger. In der modernen Gesellschaft hieße es auch: Mobilprediger!

Mein familiäres Fazit:

Ich hatte als einziger Sohn acht Schwestern. Auf der Flucht waren wir insgesamt acht Personen. Meine ältere Schwester mit ihrem Mann und kleinem Kind kamen 1983 in die USA. Meine jüngere Schwester und ich kamen 1980 nach Deutschland. Zwei Schwäger und ein Neffe von mir sind 1982 bei der Flucht umgekommen.

Fünf von uns haben überlebt, drei ging verloren. Nüchtern betrachtet lag die Chance zum Überleben der Flucht also bei sechzig Prozent! Unsere Familie musste zweimal vor den Kommunisten flüchten – 1954 und 1980/82.

1990 kam meine weitere jüngere Schwester von mir im Rahmen der Familienzusammenführung nach Deutschland.

Gerne möchte ich meine Doktorarbeit irgendwann in Fachbereich Germanistik und Philosophie/Theologie noch zum Ende bringen. 

Meine Hobbys sind Prediger, Bauen und Kochen. Ich setze mich für die Freiheit, Demokratie und Menschenrechte für Vietnam ein. Die Würde des Menschen ist unantastbar, und zwar auf dem ganzen Globus!

Pfarrer Johannes Minh Dinh, Pfarrvikar.

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